Startschuss für die „Beerenjagd“: Cranberry-Saison in den USA

In wenigen Tagen neigt sich auch dieser Sommer dem Ende. In den USA gilt der Labor Day (Tag der Arbeit), welcher am ersten Montag im September begangen wird, gleichzeitig als Ende der Sommersaison. Viel zu früh, meinen die einen, doch im Nordosten der USA kann der Herbst für so manchen nicht früh genug beginnen. Denn hier in Neuengland startet in diesen Tagen die „Jagd auf die Beeren“ – die Cranberry-Erntesaison.

In Europa noch relativ ungeachtet, werden Cranberries (zu Deutsch „Kranbeeren“ oder auch „Moosbeeren“) in Nordamerika seit Menschengedenken ob ihrer gesunden und entzündungshemmenden Inhaltsstoffe geschätzt. Schon die Algonkin- und Wampanoag-Indianer nutzten die vitaminreichen Früchte als Nahrungs- und Heilmittel und gaben schließlich ihr sauer-herbes Geheimnis an die Pilgerväter weiter. Die immunstärkende Beere half den Neuankömmlingen, die ersten harten Winter in Nordamerika zu überstehen. Damit gilt die Cranberry als uramerikanischste Frucht schlechthin und darf besonders zu Thanksgiving auf keinem Feiertagstisch fehlen.

Cold Mountain Cranberry Apple Spice (Amazon.de)

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Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus eine eigene regionale Küche mit einer großen Vielfalt an Rezepten mit der Cranberry als Hauptzutat – angefangen von Saucen und Relishes über Füllungen, Pies und Kuchen bis hin zu Longdrinks, Salaten und Broten.

Kein Wunder also, dass die feuchten Moor- und Heidelandschaften an Amerikas Ostküste im Herbst vermehrt von Gummistiefeln durchwatet werden. Hier nämlich wachsen die kirschgroßen, roten Beeren naturgemäß, wenn sie nicht auf eigens angelegten Feuchtplantagen gezogen werden. Diese finden sich inzwischen auch in größerer Zahl in den Bundesstaaten Wisconsin, Washington und Oregon. Im Osten gilt, neben den Bundesstaaten New Jersey und Maine, wo sogar eine ganze Inselgruppe nach der Frucht benannt wurde (die Cranberry Isles unweit des Acadia Nationalparks), nach wie vor die Halbinsel Cape Cod an der Küste von Massachusetts als Hauptanbaugebiet der gesunden Beeren.

Flutung einer Cranberry-Plantage in Neu England

Cranberry-Ernte in Massachusetts, USA

Nahezu 500 Cranberry-Felder, in den USA „bogs“ genannt, gibt es auf der Halbinsel. Der Verkauf der Früchte zählt hier zu den wichtigsten Einnahmequellen – neben dem Tourismus, der besonders zur Erntezeit auf Hochtouren läuft. In den Küstendörfern wird die Lieblingsfrucht der Amerikaner dann auf Erntefesten wie dem Harwich Cranberry Festival gefeiert, Routenvorschläge entlang der besten Cranberry-Farmen werden herausgegeben, ja sogar einen Helikopterflug über die Erntefelder kann man buchen.  Was daran so reizvoll ist? Der Blick nach unten auf ein weites, tiefrotes Früchtemeer.

Dass dies in der Tat wörtlich zu verstehen ist, verrät ein Blick hinter die Kulissen der Cranberry-Ernte. Während wir nämlich in diesen Tagen missmutig unsere Strandkörbe in den Keller räumen, beginnt für die fruchtigen Beeren gerade die Badesaison:

Hüpfen und schwimmen – die besten voran!

Cranberries lieben Bewegung. Besonders gut können sie schwimmen – dank der vier Luftkammern, die sich während der Reifezeit in der Frucht bilden. Und nicht nur das: Sie hüpfen auch. Beides müssen sie beweisen, wenn sie den Qualitätstest bestehen und als frische Frucht verkauft werden wollen.

Yankee Candle Duftkerze "Cranberry Twist" (Amazon.de)

Yankee Candle Duftkerze „Cranberry Twist“ (Amazon.de)

Eine außergewöhnliche Frucht bedarf einer außergewöhnlichen Ernte, dachte sich ein Farmer aus Wisconsin in den 1950er Jahren und erfand die Methode der Feldflutung – heute die gängigste Ernteform. Dabei werden die riesigen Plantagen mit Wasser geflutet, die Beeren mittels Maschinen von den Sträuchern gelöst und die reifen „Schwimmer“ von der Wasseroberfläche eingesammelt. Ein eigens entwickelter Hüpftest gibt anschließend Aufschluss über die Sportlichkeit – sprich Hochwertigkeit – der Beere. Ihre feste Haut sowie die Luftkammern in ihrem Inneren sorgen dafür, dass gut ausgereifte Cranberries wie ein Flummi über das Laufband hüpfen. Springfaule Beeren werden aussortiert.

Bleibt zu hoffen, dass die Beeren auch in diesem Jahr wieder gut in Form sind und uns nicht nur auf Cape Cod in rotleuchtenden Farben empfangen, sondern auch daheim in unserer Küche. Denn inzwischen gibt es die rote Frucht auch in immer mehr heimischen Supermärkten und auf Wochenmärkten zu kaufen.

Frische Cranberries vom Feld direkt in die heimische Küche

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