Thanksgiving Day Tradition in den USA

Ende November feiern die USA ihren „Turkey Day“, den „Tag des Truthahnes“, offiziell als Thanksgiving Day bekannt. Seit 1941 findet der wichtigste Feiertag der Amis per Gesetz jährlich am vierten Donnerstag im November statt (in Kanada wird Thanksgiving früher – am zweiten Montag im Oktober – begangen). Seine Wurzeln reichen weit in die Geschichte Nordamerikas zurück – in eine Zeit, als Truthähne noch nicht ins Weiße Haus geladen wurden…

Erntedankfeste gehören in vielen Kulturen zum Jahreskreis, doch in den USA ist Thanksgiving mehr als nur ein Herbstfest zu Ehren eines guten Erntejahres. Es ist ein Nationalfeiertag, den man im großen Stil feiert, im Kreise der Familie und mit engen Freunden an einer üppig gedeckten und liebevoll dekorierten Tafel. Für viele Amerikaner ist es der Tag, an dem sich die Verwandtschaft aus allen Ecken des Landes zusammenfindet und man sich gemeinsam auf das besinnt, wofür man dankbar sein kann – Familie, Freunde, Gesundheit und ein Leben, von dem die Vorfahren vor 400 Jahren nur träumen konnten.

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Als im Spätherbst 1620 die Pilgerväter an der Küste von Neuengland strandeten, standen ihnen Monate voller Entbehrungen bevor, gezeichnet von Kälte, Krankheiten und Hunger. Nur durch die Hilfe der Wampanoag-Indianer, die sie mit Nahrung, warmer Kleidung und dem Wissen um ihre Anbaumethoden versorgten, überlebten die Neuankömmlinge den ersten Winter und konnten sich schon im Jahr darauf über eine reiche Ernte freuen. So feierten die Siedler im Herbst 1621 drei Tage lang gemeinsam mit den Indianern ihr erstes Erntedankfest in der neuen Heimat. Dieses Ereignis markiert heute noch im Kollektivbewusstsein der Amerikaner den Beginn ihrer Geschichte.

Die frühesten überlieferten Erntedankfeste auf nordamerikanischem Boden fanden allerdings sogar noch weit früher statt. In Texas und in St. Augustine, Florida feierten die Spanier bereits 1541 und 1565 ein Fest zum Dank des Herrn für ihre sichere Landung und ihr Überleben. Auch in Virginia begangen die Engländer 1619 ein ähnliches Fest, viele Indianerstämme kannten auch schon vor Ankunft der Weißen Erntedankzeremonien. Dennoch wurde Thanksgiving erst 1863 von Abraham Lincoln zum offiziellen Feiertag ernannt. Eine bundesweite Einigung auf den vierten Donnerstag im November erfolgte sogar erst 1941.

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Beim Thanksgiving-Mahl war man sich dagegen von Anfang an einig. Es heißt, dass schon die Pilgerväter gefüllten Truthahn, Cranberries, Süßkartoffeln, Mais, Kürbisse und Apfelkuchen auf ihren Tellern hatten. Manchmal ist auch von Wildente, Reh oder Meeresfrüchten die Rede, eben all jener Nahrung, die Neuengland im Herbst zu bieten hatte.

Durchgesetzt hat sich der Truthahn, der seit 1927 sogar alljährlich zum Thanksgiving Day im Weißen Haus „empfangen“ wird. Harry Truman bekam zum ersten Mal einen Vogel vom nationalen Truthahnverband geschenkt. Über diese Ehre freuen kann sich das liebe Vieh allerdings erst seit George H. W. Bush, der seinen Truthahn 1989 erstmalig offiziell „begnadigte“ – eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird. Bleibt die Frage, welcher Vogel dann stattdessen in den sauren Apfel beißen muss, denn auch die neueste „Tofurkey“-Erfindung (vegetarischer Truthahn aus Tofu) dürfte wohl nicht jedem Präsidenten schmecken.