Halloween Cookies

Es ist die Nacht, in der Kürbisse zu Gespenstern werden, Maiskörner im Salat sich in „ausgefallene Zähne“ verwandeln und die Addams Family zur beliebtesten Vorzeigefamilie Amerikas wird. Am 31. Oktober feiern die USA Halloween – und das nicht zu knapp!

Alte Traditionen und skurrile Festlichkeiten

Trick or Treat! Wer am Abend des 31. Oktober diesen Ausruf vernimmt und nicht geschwind mit dem Süßigkeitenkorb zur Tür eilt, der hat Schlimmes zu befürchten. „Süßes oder Saures“ wird der Brauch im Deutschen genannt, bei dem die Kinder aus der Nachbarschaft in gespenstischen Verkleidungen von Tür zu Tür ziehen und jeden, der keine Schokolade bereithält, mit einem Schabernack heimsuchen. Beliebte Streiche sind z.B. Nachbars Türklinke mit Senf oder Zahnpasta einzuschmieren und das Einseifen von Fensterscheiben.

In Irland, dem Heimatland von Halloween, legte man früher kleine Gaben für die Geister an die Eingangstür, um diese zu besänftigen und sie von bösen Untaten abzuhalten. Im Mittelalter wurde der Brauch von einer christlichen Tradition überlagert: Man glaubte, die Seelen der Verstorbenen schneller aus dem Fegefeuer befreien zu können, indem man für sie betete und gute Taten vollbrachte. Kinder und Bettler gingen von Haus zu Haus, sangen und sprachen Gebete für die verstorbenen Angehörigen des Hauses und erhielten als Lohn ein spezielles süßes Gebäck, sogenannte „Soul Cakes“ (Seelenkuchen).

Halloween-Dekoration im historischen Boston

Halloween im historischen Beacon Hill District in Boston

Irische und englische Einwanderer brachten das Brauchtum schließlich mit in die USA, wo es seit den 1930er Jahren, nicht zuletzt durch die kommerzielle Vermarktung von Halloween-Kostümen, kontinuierlich an Beliebtheit gewinnt. Statt Kuchen erwarten amerikanische Kinder heute allerdings eher „Candy Apples“ (kandierte oder mit Karamell überzogene Äpfel), „Candy Pumpkins“ (kleine, kürbisförmige Zuckerkonfekte), Marshmallows oder Schokolade.

In einigen Regionen der USA wird „Trick or Treat“ nicht am 31. Oktober, sondern am Abend vor Halloween zelebriert und ist dort unter dem Namen „Beggars´ Night“ („Nacht der Bettler“) bekannt. Vor allem in Ohio, aber auch in Iowa, Massachusetts, in Teilen New Yorks und in St. Louis hat man die Beggars´ Night als Alternative erschaffen, um den teilweise herben Streichen der Halbwüchsigen Einhalt zu gebieten. Verkleidete Kinder ziehen hier zwar auch von Tür zu Tür, doch anstatt Unfug anzustellen, sagen sie Gedichte auf, spielen Sketche oder singen Lieder und erhalten für ihre Bemühungen kleine Gaben.

Und noch ein anderer Brauch macht neuerlich die Runde: Das „Booing“ (von „boo“ = buh). Kleine, selbstgebastelte Papiertütchen, sogenannte „Boo-Bags“, werden mit Süßigkeiten gefüllt und heimlich vor der Tür von Freunden oder Nachbarn abgestellt (oder auch auf dem Schreibtisch von Kollegen). Auf einer Karte hinterlässt man einen kleinen Gespensterreim und die Nachricht „You have been booed!“.

Halloween Pappteller "Spooky Hollow" (Amazon.de)

Halloween Partyteller „Spooky Hollow“ (Amazon.de)

Die USA wären nicht die USA, wenn nicht auch zu Halloween das heißgeliebte Auto zum Einsatz käme. Jüngst tendiert man einigenorts dazu, das „Trick or Treat“ in ein „Trunk or Treat“ zu verwandeln. Kinder gehen hier nicht mehr von Haus zu Haus, sondern auf einem großen Parkplatz in der Nachbarschaft von Auto zu Auto, wo die Süßigkeiten in gruselig dekorierten Kofferräumen („trunks“) auf sie warten.

Gruselspaß im ganzen Land

Vielerorts werden Maislabyrinthe für Kinder organisiert, Ladengeschäfte lassen sich besondere Veranstaltungen wie Gruselgeschichten-Lesungen einfallen, es finden Laternenumzüge und Kürbisfestivals statt. Auch hier gilt die US-amerikanische Maxime  „je größer, desto besser“ : Auf Wettbewerben werden die bizarrsten und größten Kürbisse gekürt und Städte konkurieren um den Welttitel für die meisten erleuchteten Kürbislaternen. Beliebt sind unter Kindern auch Spiele wie das „apple bobbing“, bei dem die Teilnehmer mit ihren Zähnen versuchen müssen, Äpfel aus einem mit Wasser gefüllten Basin zu angeln und dabei erwartungsgemäß ordentlich nass werden.

Halloween-Backbuch für Cupcakes

Zombie Cupcakes: Lecker bis zum letzten Biss! (Amazon.de)

Lange Zeit war das Halloween-Vergnügen einzig dem Nachwuchs vorbehalten, doch inzwischen lassen sich auch viele Erwachsene den Gruselspaß nicht nehmen und veranstalten an den Wochenenden rund um den 31. Oktober ihre eigenen Halloweenpartys. Horrorfilme, bizarre Kostüme und Drinks wie „Bloody Mary“ oder „Devil´s Punch“ (Teufelsbowle) kommen dabei natürlich nicht zu kurz. Auch den ein oder anderen „blutigen Leichenfinger“ (Würstchen mit Ketchup und einer Mandel als „Fingernagel“) findet man auf dem Buffet.

Nicht selten öffnen Besitzer historischer Herrenhäuser ihre Türen in der Halloweenzeit für „Haunted House Tours“ – Führungen durch die angeblich verwunschenen Gemäuer, bei denen der Besucher so manch unheimliche Anekdote über die hauseigenen Poltergeister erfährt. Besonders populär sind solche Touren in geschichtsträchtigen Städten wie Philadelphia, Savannah oder New Orleans.

Und wer bei soviel Spuk doch lieber zu Hause bleiben möchte, für den gibt es unter www.amerikanisch-wohnen.de zahlreiche Anregungen zum gemütlichen oder schaurig-schönen Dekorieren der eigenen vier Wände.

Halloween Spukhaus in den USA