Amerikanischer Volkskünstler David Harden

Ein Schwein in der Badewanne. Eine Krähe auf dem Rücken eines Schafes. Und ein Schneemann mit einer Ananas im Arm. Motive wie diese sind es, welche die amerikanische Volkskunst so liebenswert und weltweit einzigartig machen. Primitive Folk Art Szenen zeugen oft von Witz und Originalität. Viele der vordergründig naiven Darstellungen enthalten eine tiefere Symbolik.

„Folk Art“ (auch „Primitive Art“) bezeichnet die Kunst von Laien bzw. Autodidakten. Viele Folk Art Künstler stammen aus einfachen Arbeiter- oder Bauernfamilien. Häufig verarbeiten sie in ihren Werken Ereignisse und Figuren aus ihrem direkten, meist ländlichen Umfeld, wie der Maler Warren Kimble aus dem abgeschiedenen Farmerstaat Vermont.

Amerikanischer Folk Art Künstler Warren Kimble

„Hog Wash“ (Warren Kimble, geb. 1935)

Anna Mary Moses, später liebevoll „Grandma Moses“ genannt, war ihr Leben lang Farmerin gewesen, bevor sie im Alter von 75 Jahren zu Farbe und Pinsel griff. Ihre Bilder erlangten in den 1950er Jahren Kultstatus und wurden in den USA millionenfach gedruckt. Auch die Afro-Amerikanerin Clementine Hunter begann erst im späteren Alter, ihren Alltag als Dienstmagd auf einer Südstaaten-Plantage auf Leinwand festzuhalten. In diesem Sinne sind amerikanische Volkskunstwerke auch wichtige kulturhistorische Zeugnisse.

Amerikanischer Folk Art Kalender

Lang Folk Art Calendar 2016 (Amazon.de)

Motive des ländlichen Amerika sind besonders populär. Tiere (v.a. Krähen, Kühe, Schafe), Farmhäuser und Szenen vom einfachen Leben werden dabei häufig gespickt mit Volksweisheiten, religiösen Sprüchen oder patriotischen Symbolen. American Folk Art zeichnet sich vor allem durch kräftige Farben, kindliche Darstellungen und vereinfachte Perspektiven aus, die eine liebenswerte Naivität ausstrahlen.

Bereits vor etwa 300 Jahren entstanden in Nordamerika die ersten Folk Art Kunstwerke (sieht man einmal von der noch weitaus älteren Volkskunst der amerikanischen Ureinwohner ab). Dabei umfasst der Begriff „American Folk Art“ nicht nur Bilder auf Leinwand, sondern auch Motivdarstellungen auf Quilts oder Wandteppichen. Naive Porträtmalereien wie die von Ammi Phillips und John Bradley waren damals ebenfalls sehr gefragt – und sind heute wieder populär.

Amerikanische Folk Art Künstlerin Ammi Phillips

„Girl in Red Dress with Cat and Dog“ (Ammi Phillips, 1788 – 1865)

Gerade zur Herbst- und Winterzeit wird Folk Art ausgiebig zelebriert – die heimeligen Country-Szenen findet man dann häufig auf Grußkarten, Werbetafeln oder als  Schaufensterdekoration.

Die Ananas, zu Kolonialzeiten ein Symbol für Gastfreundschaft, Warmherzigkeit und Wohlstand, verwenden Primitive Art Künstler auch heute noch häufig in ihren Werken – eine Hommage an die Tugenden der „guten alten Zeit“.

Amerikanische Volkkünstlerin Pam Britton

„Vintage Welcome“ (Pam Britton)